Praxis und Übungstörn April 2010

Logbuch der Golf II (Sun Odyssey 45.2)

27.3.10

Ankunft:  Nach einem unspektakulären Flug und zwei Autobusfahrten waren wir endlich um kurz nach 16 Uhr in der Marina. Während beim Umsteigen in Split noch die Sonne schien, war es jetzt eher bedeckt und sah nach Regenschauer aus. Sabine, Anja, Georg und Bernhard   waren auch schon da und lagen auf Deck herum.  Sie waren aus Wien mit dem Bus angereist und seit ca. ½ 10 Uhr beim Boot.  Zusätzlich zu der langen Nacht hatten sie auch noch 7 große Reisetaschen dabei, die sie den letzten Kilometer zur Marina schleppen mussten (fast wie in der Bibel: der Auszug aus Ägypten). Nach Ankunft von Michaela und Andreas etwas später am Nachmittag wurde noch mit dem Auto der beiden

28.3.10

Nach einem guten Frühstück gab es eine, wie immer genaue, Einweisung in die Details des Bootes durch Frank, unseren Skipper.  Nachdem wir alle Katastrophen (Feuer, Untergang, Auflaufen, Riggbruch, Motorschaden, verstopftes WC) durchbesprochen hatten und daher vorbereitet waren, verließen wir so gegen Mittag die Marina Krvavica und machten uns auf Richtung Süden.  Nach Verlassen der Landabdeckung hatten wir genug Wind, und wir segelten gemütlich in Richtung der Ostspitze von Hvar. Vor dem Kap verließ uns allerdings der Wind noch einmal. Dafür blies er dann im Neretvanski Kanal

umso stärker, allerdings  ziemlich genau auf die Nase, eine willkommene Gelegenheit, Aufkreuzen zu üben. Nach ungefähr 10 Wenden, in denen wir so gut wie keine Höhe machten (aber fast die Finger eingeklemmt und die Hände verbrannt), mussten wir das Üben aus Zeitgründen aufgeben. Unter Motor rundeten wir schließlich das

westliche Kap von Peljesac. Danach konnten wir wieder mit Genua bis kurz vor Korcula segeln. Leider hatten die hohen Wellen bei Michaela Magenprobleme verursacht, die aber in unserer Ankerbucht Luka bei Korcula gleich wieder weg waren (auf gut wienerisch: Wer no net gspibn hot, des kann ka guater sein..). Da am  Grund der Bucht angeblich eine schwere Kette liegt (und wir zu feig waren es auszutesten: I wills goar net wissen, net so genau..), legten wir unseren Anker plus langer Kette und Reitgewicht in die Bucht – eine sehr effiziente  Methode. Da es schon spät und finster war, gab es wundervolle

Nudeln  mit Speck-Gemüsesugo an Bord. Die meisten gingen dann schlafen- aber nicht alle! Zwei Durstige schlichen ruhelos an Deck herum – dann das Geräusch  von Tauwerk und schweren Schritten – ein Platsch! Mann über Bord?! Nein, kein Aufschrei ertönte, sondern nur das leise Plätschern von Rudern – aha, die ersten geshanghaiten Matrosen versuchten zu flüchten!!

die Einkaufstour nach Makarska gestartet. Die Liste war entsprechend lang, da ja niemand mit extra viel Gepäck (soooo?) im Flugzeug oder im Bus sitzen will, wobei die Partie aus Wien in Sachen Wein es sich nicht nehmen ließ,  Weinviertler  Spezialitäten wie „Koblauchglas“ (Sabines Spezialrezeptur), Wein und die Zayertaler Dauerwurst den deutschen Mitseglern in Kroatien näher zu bringen. Dafür wurde extra eine Sackrodel angeschafft, mit der die große Kiste von der Bushaltestelle zum Boot gekarrt wurde. Die Übernahme des Bootes war problemlos, und jeder hat sich gut eingerichtet (die Yacht lag gleich um einiges tiefer im Wasser).

29/30.3.10

Am nächsten Morgen waren alle an Bord. Nanu? Der gestrenge Kapitän erfuhr durch Geheimverhöre die Wahrheit: Mit Hilfe des Außenborders hatten es die Flüchtigen nach Stadt Korcula geschafft. Dort war allerdings um drei Uhr früh nur noch eine Katze unterwegs (vierbeinig hä,hä), und es gab keine Chance auf ein Bier für durstige Matrosen – so kehrten die Meuterer reumütig zurück zu unseren 1,5lt Plastikbierflaschen (lerne: Immer genug Bier an Bord, sonst ..).

Am Vormittag besichtigten wir die Stadt Korcula, es war warm und sonnig; wir gönnten uns einen guten Kaffee und beschlossen, da der Wetterbericht zunehmenden Südwind für die nächsten Tage ankündigte,  den Nachmittag zu verbummeln und am Abend loszusegeln, um eine Nachfahrt bis Dubrovnik zu machen. Um ca. 18 Uhr verließen wir die Bucht, motorten bis zwischen die vorgelagerten Inseln und setzten dann bei gutem Wind unsere Segel. Die Wettervorhersage gab uns Hoffnung auf gutes Aufkreuzen, da südöstlicher Wind angesagt war. Der Wind war vorerst jedoch recht lau. Wir mussten sogar in der Abdeckung  von Mljet den Motor starten. Die Nachtwachen waren eingeteilt, und so nach und nach legten sich die Crewmitglieder ein wenig nieder. Nach dem Runden von Goli Rat kam allerdings sehr lebhafter Wind auf. Die erste Wache übernahmen Georg und Bernhard. Frank als siebentes und wichtigstes Rad am Wagen blieb für die ganze Nacht unser As im Ärmel. Im Lauf der Zeit baute sich, parallel zum zunehmenden Wind, eine immer mächtigere Welle auf. Die Wenden fielen daher wieder sehr spitz aus. Die Schaukelei gab Michaela den Rest- sie fiel für die gesamte Nacht aus. Somit teilte sich Andreas die Wache mit Bernhard und Sabine. Gegen Morgen war klar: Wir schaffen es nicht nach Dubrovnik – also halsen und zurück nach Korcula. Leider ging das Manöver zum Einrollen des Groß schief – die Yacht ging durch den Wind und in die Halse. Erst unter Motor gelang es uns, das Boot zu stabilisieren; die alte Genua bekam dabei einen kleinen Schaden beim Achterliek. Unter Genua im dritten Reff segelten wir dann bei Böen mit tw. über 35 kn und einer 4 bis 5 m Welle zurück an die Westspitze von Mljet, wo wir in der Bucht Lokva Schutz fanden, ankerten und erst einmal ausruhten. Leider war der aktuelle Wetterbericht für den Nachmittag katastrophal, daher legten wir schon um 10:30 Uhr wieder ab.

Bei viel Wind und hoher Welle surften wir schräg über die Wellen nach Zuljana. Die Mannschaft hatte schon wieder ihren Spass dabei. Aber der Hafen bot keinen Schutz vor dem hier aus Norden blasenden Wind. Nach einem Ankerversuch (wie verknote ich eine Ankerkette…) setzten wir wieder unsere Genua und segelten nach Stadt Korcula. Beim RK Anlegen ging  dann auch noch die Backbordlaterne zu Bruch und somit fiel der Dank an die Götter für die langen Segelstunden recht kurz aus (Oder hatten die Götter sogar noch Schlimmeres verhindert?!). Ein ausgezeichnetes Abendessen bei Komin entschädigte uns dann aber für die Strapazen (Katzen haben wir wieder keine in Korcula gesehen). Alle haben wunderbar geschlafen.

31.3.10

Der Morgen begann wolkenlos und warm. Da wir die Marinagebühren (schweineteuer) bis zum letzten Moment ausnützen wollten, und es windstill war, nahmen wir die Genua ab und versuchten sie zu flicken.  Jede und jeder durfte mal Schneider spielen. Bei der aufgegangenen Naht gelang es uns auch sehr gut, den eigentlichen Riss verklebten wir mit Tape, dieser Reparaturversuch hielt aber nicht sehr lange. Aber alle hatten einen  Riesenspass bei der Arbeit in der warmen Morgensonne. Um 2 Uhr nachmittags legten wir dann ab – und übten gleich noch ein bisschen Anlegen an der äußeren Mole.

Nachdem wir diese zerstört hatten – nein, das war ein Scherz! – ging es bei leichten Winden (hat nichts mit Knoblauchessen zu tun) nordwärts. Auch der restliche Tag verging mit üben, erst mit Vorwindsegeln und Schiften, dann mit Boje (Bierflasche) über Bord Manövern (manche der Mannschaft strengen sich bei Bierflaschen einfach mehr an) und zum Schluss bei einem schönen Amwind-Kurs mit Reffmanövern. Nach wenigen Meilen, aber schönem Training ankerten wir dann vor Loviste bei fast spiegelglatter See. Gekocht wurde an Bord, alle schauten sehr zufrieden drein (Ja auf der See, da ist es schön…).

1.4.10

Wie es schien, hatten wir allen Wind verbraucht. Der Tag wurde zu einer reinen Motorbootfahrt bis wir endlich Hvar auf Hvar erreichten. Bei einer Hafenrunde gedachten wir unseres letzten Aufenthaltes (Dinghifahren mit Hans..) und genossen das tolle Panorama. Jetzt endlich gab es Wind, und unter Genua segelten wir auf RT Pelgrin zu. In der tiefen Bucht von Stari Grad konnten wir dann nochmals aufkreuzen, bevor wir bei Seitenwind RK an der Mole angelegten. Kaum lagen wir fest, hörte der Wind  auf (typisch für den alten Schwerenöter). Auch hier gelang es uns wieder, ein offenes Lokal zu finden (ja,ja, der Bierinstinkt). Die Wirtin war sehr hübsch, das Essen war nur Mittelklasse (wäre es

uns andersherum lieber gewesen?!). Am Abend verschwanden Bernhard und Georg in Richtung Beiseln (dt: Kneipen). Weil Ira und Frank sich gerade so gut unterhielten und neugierig waren, gingen auch sie „einen trinken“. Und wen trafen sie da?? Der sozialen Kontrolle auf so einem Törn entgeht nichts! Zusätzlich zum Bier wurden sie gleich über die ungeahnten Möglichkeiten und Potentiale von Stari Grad aufgeklärt und aufgefordert, gefälligst zu investieren. Durch Flucht entzogen sich Ira und Frank der drohenden Taschenpfändung. Irgendwann fand jeder aufs Boot (ob auch in die Koje ist eine andere Frage…).

2.4.10

Um sieben Uhr legten wir ab. Warum so früh – na, um Hafengebühren zu sparen! Wir motorten in die nächste Bucht und dort gab es ein zünftiges Frühstück (Eier mit Speck, Müsli, Zwiebeln, Konfitüre, Knoblauch, Kaffee und Tee – nein, nicht alles zusammen, sondern jedem nach seinem Gusto!).  Leider fing es kurz nach dem „Anker auf“ an zu regnen – und das blieb so bis Bol. Dementsprechend begeistert waren die Kommentare zum goldenen Horn: „Aha, sooo ist es also..“ Ab dann wurde der Himmel wieder blau, und wir übten ein wenig Anlegen: RK und  Eindampfen in die Spring, unter anderem an

der Mole der geschlossenen Tankstelle. Als wir dann aber bemerkten, dass der Tankwart beim Reparieren der „Super“-Zapfsäule eine Zigarette rauchte, machten wir uns aus dem Staub (bevor wir zu Staub wurden; und Nachthemden und Lautespielen  auf den Wolken wollten wir alle auch nicht). Bei den Manövern hatten wir sogar Seitenwind, aber kaum versuchten wir zu segeln, schlief der Wind ein. Bei einem BüB (Bierflasche über Bord) blockierte plötzlich das Ruder! Eine sofortige Inspektion durch Andreas, der sich extra dafür auszog „Ich kann mich waschen, die Sachen hingegen….“(na, wie dem auch sei..) ergab verklemmte Drahtseile, die aber gut geschmiert waren - wie anschließend auch Andreas!  Frank telefonierte mit der Basis, da wir höchstens 2 Stunden Wegzeit entfernt waren – aber die Antwort war klassisch: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner – also musste Andreas nochmals in die Unterwelt, dafür hatte er sich anschließend auch ein Bier verdient. Unter Notpinne waren wir in 1,5 Stunden im Hafen. Das Anlegen war problemlos. Abendessen gabs im „Tierasyl“, der Hafenkneipe, mit ausführlicher Ansprache des Skippers: Gut habts es gemacht, feine Mannschaft, nichts ist geschehen! (glücklich ist, wer vergisst…).

3.4.10

Der schmerzhafte Abschied war gekommen! Ira, den Tränen nahe (wozu haben wir schließlich Zwiebeln an Bord), wies das großzügige Geschenk von Bernhard (das Glas mit der Knoblauchpaste) zurück und flog davon (mit Germanwings, nicht aus eigener Kraft). Wir, der kümmerliche Rest, legten mit unserer auf das Wesentliche reduzierten Riesenjolle (keine Ruderräder, kein Vorsegel, kein Salontisch) ab und fuhren nach Makarska tanken und „prominieren“ (ich bin der Märchenprinz, jaja, der Märchenprinz..). Es war wieder sonnig und dort, wo der Wind nicht hinkam, warm. Wir tranken Kaffee, aßen Eis und beobachteten (Katzen in Makarska?!- der geneigte Leser braucht ja nicht alles zu wissen..).  Am Nachmittag übten wir

noch ein wenig anlegen und fuhren dann in Richtung Rasotica los. Die Segelversuche nur unter Groß bei schwachem Wind, brachten uns nicht weiter. So verbummelten wir den Nachmittag und liefen gegen 17 Uhr in der Marina ein, ohne unser Ziel erreicht zu haben. Ein Schreck: Bier aus, Wein aus! Wir beschlossen, nach Baska Voda zu wandern und dort essen zu gehen. Es wurde ein wunderschöner Spaziergang, aber leider erfolglos! Der Bierinstinkt hatte völlig versagt – alles noch zu. So kehrten wir um und landeten wieder im Tierasyl. An diesem denkwürdigen Abend wurde Georg zum Katzenliebhaber (gebraten, nicht gekocht).

4.4.10

Der letzte Ausflug mit unserer Yacht! Trotz ungewissem Wetter starteten wir in Richtung Jelsa/Hvar. Gemütlich ging es dahin und zu Mittag waren wir in Jelsa. Nachdem wir angelegt hatten, überstürzten sich die Ereignisse. Der nette Wirt, der uns die Muring gab, warnte: Sturm wird kommen, wir sollen nach Vrboska fahren, dort ist es sicherer. Nachdem das auch von einem anderen Skipper bestätigt worden war, entschied Frank den sofortigen Aufbruch, da die Yacht ja nicht mehr voll einsatzfähig war. So wurde aus unserem Landgang leider nichts. Tatsächlich wurde es auf dem Rückweg von Stunde zu Stunde finsterer, aber der Wind nicht stärker. Daher versuchten wir noch in Makarska zu tanken, aber die Tankstelle hatte

geschlossen und außerdem pfiffen unangenehme Böen in die Bucht. Gemütlich übten wir auf den letzten Seemeilen noch halsen, bevor wir die Leinen endgültig in der Marina belegten. Gerade noch rechtzeitig, bevor die ersten Tropfen fielen. Da Georg das Abendessen im Tierasyl aus Angst vor Untieren verweigerte, und auch wir etwas anderes sehen wollten, stellte sich Andreas der Herausforderung, aus den Resten etwas Schmackhaftes zu machen.  Und das gelang ihm ausgezeichnet.   Getränkemäßig kauften wir den Wirt leer und so stand einer Kleinorgie nichts mehr im Weg (wie enden Krimis: …und der Rest ist Schweigen).

Epilog:

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir Österreicher uns herzlich von Andrea, der Stützpunktleiterin, und nach einem in Split verbummelten Tag gab es eine Nachtfahrt mit dem Autobus heim. Somit hatten wir die Zielvorgaben erreicht: mehr als 250 sm, zwei Nachtfahrten. Nur Dubrovnik wartet noch auf uns. Michaela und Andreas blieben noch eine unruhige Nacht an Bord. In dieser Nacht kam der angekündigte Sturm und mitten in der Nacht brach dann noch eine Heckleine der Golf II.

 

DENN ERSTENS KOMMT ES ANDERS UND ZWEITENS ALS MAN DENKT. (W. Busch)

 

 

 

 

 

Frank Doberenz Yachtcharter und -agentur

 

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